Über das Schreiben und die Kreativität in meinem Leben

Einige von euch wissen es bereits: Ich lese nicht nur gern Geschichten, ich schreibe sie auch! In diesem Beitrag möchte ich euch erzählen, was das Schreiben für mich bedeutet und wie ich dazu gekommen bin. Es war kein leichter Weg die Steine zu überwinden, die mir leider in den Weg gelegt wurden, aber inzwischen habe ich den Mut gefunden an mich selbst zu glauben.

Meine sinnlosen Geschichten

Die Sache mit dem Schreiben hat seine Anfänge genommen als ich 12/13 Jahre alt war und begann kleine Kurzgeschichten und Fragmente zu verfassen, wenn mir langweilig in der Schule war. Ernst genommen habe ich das Schreiben damals nicht, ich hatte mich eher auf das Zeichnen fokussiert mit dem Wunsch später Künstlerin zu werden.

Dieser Wunsch wurde von meiner Erziehungsberechtigten eher nicht unterstützt. Es wurde sogar in meinem Namen und gegen meinen ausdrücklichen Protest „Naturwissenschaften“ statt „Kunst“ auf dem Wahlpflichtfach-Zettel für die Schule angekreuzt. Danach wurde mir die abschließende Aussage „Du wirst Wissenschaftlerin, keine Widerrede!“ an den Kopf geschleudert. Diesen Tag habe ich bis heute nicht vergessen.

Im Rückblick betrachtet wurde ich von meiner Mutter mein Leben lang auf meine „Karriere in der Wissenschaft“ vorbereitet. Aus welchem Grund, verstehe ich nicht, aber es hat mich geprägt. Es war wie eine Gehirnwäsche, die den Glauben, künstlerische Tätigkeiten seien sinnlos, ganz tief in mir verankert hat. Es hat dazu geführt, dass ich meine wahren Fähigkeiten und Leidenschaften nie wahrgenommen habe. Schon als Kind musste ich kontinuierlich Wissenschaftsbücher lesen, an Wettbewerben teilnehmen und die Aufnahmeprüfung für ein Elite-Wissenschafts-Gymnasium machen – meist lustlos und mit mäßigem Erfolg.

Erst in letzter Zeit und durch den Austausch mit meinen Freunden wurde mir bewusst wie seltsam und falsch diese Erziehung gewesen ist. Damals habe ich das alles leider als absolut hingenommen. Das Zeichnen habe ich größtenteils eingestellt, mit dem Schreiben habe ich mich auf die Fanfiction-Szene beschränkt. Ironischerweise hat sich dort gezeigt, dass ich anscheinend richtig gut schreiben kann, denn ich hatte Hunderte von Lesern gewonnen. Mit 16 Jahren habe ich auch wieder begonnen meine eigenen Welten zu entwerfen und der geheime Wunsch, Autorin zu werden, wurde immer stärker.

Leider waren die Einflüsse meiner Erziehung zu stark. Es war schwer an Träume zu glauben, wenn man täglich gesagt bekam, wie „sinnlos“ sie sind.

Das Ende der Kreativität

Das Ganze kumulierte darin, dass ich mit 18 Jahren – wie sollte es anders sein – ein naturwissenschaftliches Studium begonnen habe. Da der Schwerpunkt auf Chemie lag, meinem Lieblingsfach unter den Naturwissenschaften, haben mir die ersten Semester gut genug gefallen. Ich habe alle kreativen Tätigkeiten brav aus meinem Leben verbannt, um mich voll auf mein Studium konzentrieren zu können und die benötigten Bestnoten zu schreiben, um in die Forschung zu kommen. Es wurde Zeit erwachsen zu werden, Karriere zu machen und Geld zu verdienen, so wie es von mir erwartet wurde.

Doch mit jedem Semester hat mich das Studium mehr gequält. Bei der Laborarbeit war ich eine chaotische Katastrophe, meine Protokolle entsprachen nie den rigiden Vorschriften und das Auswendiglernen von Strukturformeln und Enzymnamen wurde stets auf die Nacht vor der Klausur verschoben. In den Vorlesungen bin ich eingeschlafen, habe Bücher unter dem Tisch gelesen und auf meinem Notizblock herumgezeichnet anstatt mir eindeutig klausurrelevante Fakten aufzuschreiben. Nie konnte ich das Interesse aufbringen, das meine Kommilitonen für ihr Studium hatten.

Es hätte mir definitiv schon ein paar Semester eher auffallen können, dass mir mein Studium, geschweige meine zukünftige Karriere, überhaupt nicht liegen. Aufgrund der lebenslangen Gehirnwäsche habe ich allerdings krampfhaft daran festgehalten. Mehrere Faktoren haben schließlich dazu geführt, dass ich begann über meinen Lebensentwurf nachzudenken.

Mehr und mehr begann sich abzuzeichnen, dass ich weder Lust habe auf eine Karriere in der Wissenschaft, noch wirklich dafür geeignet bin. Die Alternativen – Industrie und Einzelhandel – erschienen mir nach einem noch graueren Alltag. Ich wurde zunehmend depressiver bei dem Gedanken an ein solches Leben.

Und im März diesen Jahres stellte ich mir schließlich die Frage: Warum machst du eigentlich etwas, das du hasst? Wer zwingt dich dazu? Willst du den Rest deines Lebens so angehen? Willst du immer auf den Tag warten, an dem du endlich deinen wahren Träumen nachgehst? Die Beantwortung dieser Fragen führte dazu, dass ich die schwere Entscheidung getroffen habe mein Studium abzubrechen. Schlussendlich hat sich erwiesen, dass man das Wesen einer Person auf lange Sicht einfach nicht zurechtbiegen kann.

Wie es nun weitergeht

Seitdem ich mein Studium abgebrochen habe, ist meine Kreativität schlagartig zurückgekehrt. In den letzten Monaten habe ich mit dem Schreiben wieder angefangen und nun beschlossen, dass ich die freie Zeit nutzen will, um endlich eine meiner Geschichten fertigzuschreiben und als Self-Publisherin zu veröffentlichen. Ich möchte das Schreiben zum ersten Mal in meinem Leben ernst nehmen. Ich möchte ausprobieren, ob ich das Schreiben zu mehr machen kann als einer reinen Freizeitbeschäftigung.

Bisher läuft dieses Experiment sehr gut, ich habe bereits das Cover von meinem potentiellen Debütroman Die Nebel von London designt und die ersten Kapitel in wenigen Tagen flüssig heruntergeschrieben. Ich musste in das Schreiben erstmal wieder hineinfinden, da ich es so lange nicht gemacht habe, aber mit jedem Tag fällt es mir einfacher.

Ganz ohne Ausbildung will ich allerdings nicht ins Leben gehen, weswegen ich vorhabe mich für kommenden Herbst an einer Fachhochschule einzuschreiben, um Informatik/Webdesign zu studieren. Denn das Programmieren ist eine weitere Leidenschaft von mir, die ich in den letzten Jahren ganz unabhängig von meinem Studium für mich entdeckt habe.

Einfach werden die kommenden Jahre bestimmt nicht, weil ich mir diese Ausbildung komplett selbst finanzieren muss und nicht weiß, inwieweit meine kreative Arbeit das decken kann. Aber ich habe endlich das Gefühl genau das zu machen, was ich will und was mir Freude bringt. Ich bin zuversichtlich, dass ich meine Ziele erreichen kann mit harter Arbeit und genug Ausdauer. Ich habe wieder Spaß an meinem Leben und fühle mich voller Optimismus und positiver Energie.

Ich bereue meine Entscheidung nicht. Natürlich bin ich manchmal überwältigt, wenn ich an meine plötzlich unklare Zukunft denke und daran, dass ich wieder am Anfang eines langen Wegs stehe. Doch insgesamt habe ich mich nie freier und kreativer gefühlt als in den letzten beiden Monaten. Für mich steht fest, dass das Leben zu kurz ist, um es damit zu verschwenden, nicht das zu machen, was man selber wirklich will. Und ich kann euch nur dazu ermutigen auch nach euren Träumen zu greifen, egal was andere Menschen von euch erwarten oder euch einreden. ♥

Wer von euch schreibt/zeichnet auch und wie seid ihr dazu gekommen? Hattet ihr ähnliche Probleme wie ich oder habt sie im Moment?

Liebe Grüße, Aurora ♥

20 Gedanken zu “Über das Schreiben und die Kreativität in meinem Leben

  1. Hallo liebe Aurora,
    ich habe mich damals auch sehr gerne Geschichten geschrieben. Allerdings eher für mich und meine damalige Freundin und somit sozusagen „für die Schublade“. Mittlerweile habe ich das Schreiben aber aufgegeben. Mir fehlt einfach die Zeit dazu.

    Was die Berufswahl angeht, ist es bei mir ähnlich verlaufen. Meine Eltern haben mich allerdings nicht zu einer Entscheidung gedrängt. Sie haben mir allerdings Ratschläge gegeben und mich damit natürlich auch ein wenig beeinflusst. Ich wusste damals noch nicht so genau, was meine wahre Leidenschaft sein könnte.

    Ich bewundere dich für deinen Mut und deinen Entschluss dich umzuorientieren. Ich freue mich, dass du dich schon bei den ersten Schritten viel freier fühlst. Ich kann auch verstehen, dass du nebenher auch eine Ausbildung machen möchtest. Ich bin auch eher der Typ Mensch, der ein gewisses Maß an „Sicherheit“ benötigt.
    Ich wünsche dir auf jeden Fall ganz viel Erfolg und alles erdenklich Gute auf deinem Werdegang.

    Es hört sich so an, als wärest du mit deinem ersten Buch auch schon so gut wie fertig (?) Ich bin schon sehr gespannt auf das Cover und das, was du darüber berichten wirst :o)

    Ganz liebe Grüße
    Tanja

    Gefällt 2 Personen

    1. Hallo liebe Tanja,

      Vielen Dank für deinen Kommentar! ^-^ Wie cool, dass du auch mal Geschichten geschrieben hast!! Ich hoffe, du findest irgendwann wieder die Zeit, würde mich freuen mal was von dir zu lesen. 😀

      Ja, ich glaube mit 18 Jahren (oder sogar noch jünger) hat man echt noch oft keine Ahnung, was man wirklich mag. Deswegen gibt es auch so viele Leute die oft mehrfach den Studiengang wechseln oder die Ausbildung. Aber gut, dass dich deine Eltern nicht gedrängt haben. Das finde ich die bessere Alternative. ^^

      Vielen Dank für deinen Zuspruch! ^-^ Ich will mich auch nicht auf eine Einnahmequelle verlassen, deswegen hätte ich gern noch eine richtige Qualifikation. 😀

      So gut wie fertig bin ich noch nicht, aber ich möchte demnächst veröffentlichen. 🙂 Das Cover hab ich schon designt, weil es mir so viel Spaß macht. 😀 Aber ja, ich bin gerade dabei es zuendezuschreiben. ^-^

      Liebe Grüße, Aurora

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  2. Rhiannon

    Glaub einfach an dich.
    In vielen Berufen kannst du kreativ sein – aber nicht in allen.
    Im Grunde muss jeder für sich selber herausfinden, womit er/sie seine Brötchen verdienen will. Wenn du mit Anfang 20 deinen Weg gefunden hast, dann gratuliere ich dir – verfolge ihn weiter.

    Mein Tip:
    Hör auf dein Herz und folge ihm – wirklich gut wirst du nur in dem, was du gerne machst!

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    1. Hallo Rhiannon!
      Dankeschön, das werde ich machen! ^-^ In der Karriere, auf die ich mit meinem alten Studium zugestrebt habe, hätte ich null Kreativität gehabt und gerade das erschien mir so unglaublich trist für den Rest meines Lebens.
      Ich hoffe, ich habe ihn gefunden, genau wissen kann ich es noch nicht. 😀 Auf jeden Fall habe ich erkannt, dass ich bisher auf dem falschen Weg gewesen bin.
      Oha, dann hoffe ich mal, dass ich richtig gut im Schreiben werde. 😀
      Liebe Grüße, Aurora

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      1. Rhiannon

        Schreiben ist kreatives Handwerk und erlernbar. Solang du offen für Tips, Tricks und vieles mehr bist, an dich adaptierst und DEIN Hauptgenre findest … hast du gute Chancen.

        Nicht jedes Genre ist für jeden gleich gut geeignet. Ich hab meins gefunden … finde du deins.

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      2. Für Tips und Tricks bin ich immer offen. ^-^ Ich hab schon so viel gelernt durch mein Publishing im Internet und was Leute mir für Kritik gegeben haben. 😀
        Ich glaub ich hab meins auch schon gefunden, und zwar Fantasy/SciFi/Steampunk! Einfach alles aus der Phantastik. 😀 Und Romance. ^-^
        Liebe Grüße, Aurora

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      3. Rhiannon

        oder eine Sci-Fi-/Steampunk-Romanze mit Fantasyeinschlag? *G* …

        Du wirst eine gute Mischung finden, da bin ich mir sicher …. einfach an dich glauben und dranbleiben …

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  3. Hallo Autora,
    Erst einmal: ich finde es total mutig, dass du dich getraut hast, dein Studium abzubrechen und etwas anderes zu machen!
    Webdesign/Informatik klingt total interessant, das hätte ich mir auch gut als Studium vorstellen können.

    Meine Eltern haben mich glücklicher Weise immer in all meinen Hobbys und Wünschen unterstützt. Ich durfte also studieren, was ich wollte, und auch beim Schreiben haben sie mich immer ermutigt.
    Ich schreibe auch „richtig“, seitdem ich so ca. 11 Jahre alt war, davor waren es eben kleine Kurzgeschichten. Ich liebe Schreiben als Hobby total und arbeite momentan auch an meinem ersten ernsthaften Buch, das ich vielleicht irgendwann mal einschicken möchte.

    Übrigens: in welchem Bereich hast du denn Fanfiktion geschrieben? 😀

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Lea,

      Vielen Dank!! Ich fand es auch mega interessant, als ich einmal damit angefangen hatte und bald habe ich mich gefragt, warum ich mich eigentlich täglich für etwas an die Uni quäle, das mich gar nicht interessiert. :O

      Ist ja cool, dass du auch schreibst und auch schon so lange! 🙂 Und richtig gut, dass deine Eltern dich so unterstützt haben. Wie weit bist du bei deinem Buch? Ich schreibe auch momentan einen Roman, den ich aber als Selfpublisherin veröffentlichen möchte. 😀

      Fanfiction hab ich für Harry Potter und Tribute von Panem geschrieben – die Klassiker. 😀 Star Wars und ein paar andere Sachen waren später auch mit dabei.

      Liebe Grüße, Aurora

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      1. Hey,

        Sich quälen sollte man nie. Dann lieber was anderes machen 🙂

        Ich schreibe ein paar Bücher parallel und habe auch schon einige beendet, aber da ist nichts ernsthaftes dabei, was ich für gut genug befinde. Das erste Projekt, das in Frage kommt, plane ich momentan und plotte die Charaktere sowie Kapitel. Ein bisschen Brainstorming;)
        Wie weit bist du denn momentan?

        Liebe Grüße,
        Lea

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      2. Hallo Lea,
        Das sehe ich auch so!
        Ach cool, in was für einem Genre schreibst du denn? 😀 Ich habe noch nie ein Buch beendet und wenn ich es tun werde, werde ich das auch veröffentlichen glaube ich. ^^
        Ich habe auch mehrere Projekte, will mich jetzt aber auf meinen Debütroman konzentrieren. 🙂 Da würde ich sagen ich habe schon 60% geschafft.
        Liebe Grüße, Aurora

        Gefällt 1 Person

      3. Hey!
        Das klingt ja cool, sowas würde ich auch lesen. 😀 Ich hab irgendwo auch ein paar Dystopien mit Romance in der Schublade. ^^
        Mein derzeitiger Roman ist Historical Fantasy/Steampunk. Generell schreibe ich aber alles Mögliche von SF bis Romance. ^-^
        Liebe Grüße, Aurora

        Gefällt 1 Person

  4. Liebe Aurora,
    glücklicherweise hast du das noch sehr früh gemerkt und die Reißleine gezogen! Dein Mut wird sich sicherlich auszahlen! Es liegt zwar noch ein langer und steiniger Weg vor dir, aber hey, du bist 21! Alles liegt dir noch offen! Und glücklicherweise gibt es einige Stellen, die dir Hilfestellung leisten können. Wie oft lese ich, dass Alleinerziehnede mit ca. Mitte 40, die diesen Mut aufgebracht haben es auch geschafft hatten, warum auch nicht du!
    Bleib standfest und lass dich nicht von deiner Familie wieder von diesem Weg abringen!
    Ich drücke dir alle Daumen, damit alles so läuft, wie du es brauchst!
    GlG, monerl

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo liebe Monerl,
      Ja, ich bin auch froh darüber. 🙂 Lieber gehe ich den harten und steinigen Weg, als mir in 10 Jahren zu denken, dass ich den falschen gewählt habe.
      Und das stimmt, es ist nie zu spät im Leben, um nochmal einen Neuanfang zu wagen oder endlich zu machen, was man wirklich will.
      Vielen Dank für deinen Zuspruch!! Zum Glück habe ich einige sehr liebe Menschen, die mich auf meinem Weg unterstützen. 🙂 Ich werde mich nicht wieder abbringen lassen. ^-^
      Liebe Grüße, Aurora

      Liken

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